Die Bücherreihe "Spiel zwischen Licht und Dunkelheit" ist ein gemeinnütziges Projekt, denn der gesamte Büchergewinn wird an Hilfsprojekte gespendet. Dieses Bücherprojekt soll ein Buch von vielen werden, weshalb jeder dazu eingeladen ist, mitzuhelfen. 

Voraussichtlich 2021 wird Band 1 veröffentlicht.

Spiel zwischen Licht und Dunkelheit

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Anmerkung:

Im folgenden könnt ihr den Prolog des ersten Buches lesen. Wenn ihr den Prolog im Buchformat (A5) lesen wollt, ladet die PDF- Datei herunter. 

Ich möchte darauf hinweisen, dass sich mein Schreibstil bis zur Veröffentlichung des Buches deutlich verändern wird. Ihr könnt mir helfen, besser zu werden, wenn ihr mir ein Feedback schickt, wie der Prolog euch gefallen hat. Ich habe als PDF-Datei einen Feedbackbogen erstellt, bei dem ihr euch bei der Kritik orientieren könnt.

Viel Spaß beim Lesen.

PDF-Dateien:

Prolog:

Feedbackbogen:

Prolog

„Du stellst zu viele Fragen.“

„Warum brauchst du uns?“, schoss Xelahne ohne zu zögern zurück. Wenn er ihr nichts über die Abwesenheit ihrer Schwestern und Brüder verraten wollte, so musste sie den Grund für ihr Kommen wissen.

Ihr Bruder lachte auf.

Einen Moment lang war es still. Fackeln an den Wänden warfen ihre Schatten, welche lebhaft durch den Raum tanzten. Die Kühle im Saal entwickelte sich zu eisiger Kälte und trotz der geschlossenen Tür erreichte Xelahne ein Windhauch. Dieser hinterließ bei ihr das Gefühl, als würde sich ihr Herz zusammenziehen.

„Wage es nicht, mich zum Narren zu halten“, durchbrach Xelahne die Stille. Langsam streckte sie ihren Schlangenkörper in die Höhe, bis sie ihrem Bruder Distis auf Augenhöhe begegnete. Dieser war verstummt. Für ein paar Sekunden funkelte sie ihn an, aber seine braunen Augen wichen ihr nicht aus.

Die Schlange hoffte, dass ihr Blick nicht zu viel über ihr Innenleben verriet. Sie wollte ihn würgen, ihn leiden sehen und ihm sein hässliches Lachen aus dem Gesicht quälen, doch fürs Erste wollte sie in Erfahrung bringen, warum er sie gerufen hatte.

„Sag, was du von mir brauchst“, zischte sie.

Distis stand aufrecht, die Hände zusammengefaltet vor ihr und musterte sie. Seine erdige Haut wurde bedeckt durch einen Umhang und eine Hose, welche sich eng um seinen Leib schmiegten. An seinem Gürtel baumelte zu seiner Linken ein Einhänder herunter. Es pulsierte im Takt des Herzschlages von Distis auf, denn mit jedem Herzschlag liefen Linien und Wörter über das Schwert.

Wenn ich ihn töten will, werde ich mich vor dieser Klinge in Acht nehmen müssen, dachte Xelahne.

„Ich will kein Blutvergießen in dieser Nacht, Schwester“, schien ihr gegenüber ihre Gedanken zu lesen.

„Bevor du weitere Dummheiten planst, schau, was ich entdeckt habe.“

Wut brauste in ihr auf. Distis hatte in den letzten Jahrhunderten nichts von seiner Arroganz und Überheblichkeit eingebüßt. Wenn er wüsste, mit welcher Mühelosigkeit sie ihn vernichten könnte, würde er ihr mehr Respekt entgegenbringen.

Der Mann löste den Augenkontakt mit ihr, drehte er ihr den Rücken zu und schritt zu einer Truhe, die von einem schwarzen Tuch bedeckt wurde. In einer Bewegung riss er den Stoff herunter.  

„Komm und sieh, was meine Kinder entdeckt haben.“

Xelahne hatte sich nicht bewegt, seit er sich von ihr weggedreht hatte. Neugier und Stolz lieferten sich einen erbitterten Kampf. Zwar wollte sie wissen, was in der Truhe lag, aber auf der anderen Seite wollte sie sich nicht die Blöße geben, dass ihr ehemaliger Weggenosse mehr wusste als sie.

Schließlich siegte ihr Interesse an dem Unbekannten. Schlängelnd bewegte sie sich auf die Truhe zu und streifte dabei die Steine auf dem Boden. Bei jeder Berührung kroch die Kälte tiefer in ihr Innerstes.

Als sie bemerkte, dass Distis sie unentwegt beobachtete, flammte Zorn in ihr auf. Seine Augen verrieten nichts über seine Gefühle, aber Xelahne kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er sich darüber freute, wie sie hier am Boden kriechen musste. Beim Kontakt mit dem Boden entwich ihr wegen der eisigen Kälte fast ein Zischen, doch sie gab keinen Ton von sich, weil sie ihm keine Schwäche zeigen wollte.

Auf ihrem Weg zur Truhe verschaffte sie sich einen Überblick über den Saal. Alles wirkte kalt und herzlos, alles schien aus Stein gebaut. Der Boden, die Wände und die Decke, bildeten ein Gefängnis, in dem jegliche Emotion verschluckt wurde. Eigentlich sollte es ein feierlicher Ort sein, schließlich war es eine Königshalle, aber die Energie des Ortes sprach eine andere Sprache. Der Thron am Ende des Saals, passte sich perfekt dem restlichen Raum an, da er zwar eindrucksvoll, aber dennoch lieblos wirkte. Er sah so ungemütlich aus, dass Xelahne sich schwerlich vorstellen konnte, wie Distis es aushielt, hier zu herrschen.

Wollte man zum Thron musste man einen Weg begehen, zu dessen rechter und linker Seite Statuen emporragten. Diese waren Abbilder von Distis, zeigten ihn mit verschiedenen Waffen und immer mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck. Aber all die Statuen und den Thron würde die Schlange nicht näher zu Gesicht bekommen, da Distis sie am Anfang des Saals empfangen hatte und auch die Truhe hier stand.

Xelahne war fast bei ihrem Ziel angekommen. Sie warf einen letzten Blick in den Raum, auf der Suche nach weiteren Lebewesen. Die Schlange kniff ihre Augen zusammen, suchte den Raum ab wie ein Adler auf der Suche nach seiner Beute, aber sie konnte niemand anderes entdecken. Bei der Truhe angekommen musste sie sich aufrichten, um in diese hineinzuschauen. Der Anblick ließ Blut in ihre kalten Glieder rauschen, denn sie sah Dutzende von Blättern in den unterschiedlichsten Gelb-, Braun- und Rottönen. Riesige Blätter, so lang und hoch wie ein Pferd.

„Armanda“, zischte sie auf.

„Armanda hat die Phase des Trauerns verlassen. Sie und ihre Kinder tragen wieder Blätter. Frühling kommt auf.“

Xelahne konnte ihren Blick nicht von der Truhe lösen. Ihr ganzer Körper fing an zu vibrieren und sie vergaß die Temperatur um sich herum. Ohne es zu merken kam sie der Kiste näher, den Blick voller Gier auf das Etwas in der Truhe gerichtet. Dort angekommen konnte sie den unverwechselbaren Geruch Armandas riechen: Die Vielfalt aller Früchte, die sie kannte. In dem einen Moment nahm sie den Duft von Äpfeln, in dem anderen den nach Bananen und so nahm ihre Nase mit jedem Atemzug eine andere Frucht war.

Distis berührte ein paar Blätter mit seiner Hand, was dazu führte, dass sich diese bei der Berührung mit seinen Händen zu Ruß auflösten. Wie ein Eindringling in einem fremden Haus lag der Ruß auf den anderen Blättern, legte auf die strahlende Schönheit eine dunkle Schwere.

Armanda trug wieder Blätter. Das musste bedeuten, dass etwas Großes geschehen war.

Auf einmal durchfuhr sie die Erkenntnis wie ein Blitz.

„Die Prophezeiung...“, hauchte Xelahne.

„Du denkst schneller, als ich erwartete hätte.“ Funkelnd starrte er die Schlange an.

Spott hatte in seiner Stimme gelegen, aber Xelahne dachte nicht daran, auf seine Provokation zu reagieren. Sie beschäftigte sich damit, die Neuigkeiten zu verarbeiten. Wenn die Prophezeiung stimmte, musste eine Gottheit die Welt betreten haben.

„Du meinst, dass ein neuer Gott geboren ist?“

„Nicht nur das. Imar ist wiedergeboren. Ich spüre es tief in mir.“

Der Blick des Mannes senkte sich zu seinem Schwert. Mit ungewohnter Zärtlichkeit zog er es aus der Scheide heraus. Über die Klinge huschten Schatten, Wörter und Formen, die Xelahne nie zuvor gesehen hatte. In ihr regte sich ein Verlangen, die Waffe zu untersuchen. Gedanken, ihm das Schwert zu entreißen, liefen durch ihren Kopf und, aber sie wusste, dass ihr Bruder seine einzige Liebe mit dem Leben verteidigen würde.

Plötzlich verblassten die Schatten. Stattdessen breitete sich ausgehend von der Spitze bis zum Schaft der Waffe eine Schwärze aus, die alles zu verschlucken drohte.

„Ich werde Imar finden. Einst hat mein Schwert das Blut meines Widersachers geschmeckt. Wie damals wird er erneut durch meine Hand sterben.“

Während seiner Worte reckte er seinen Einhänder in die Höhe. Auf der Klinge funkelte in roten Buchstaben das Wort Mortificatio auf. Nun spürte es Xelahne. Die Welt hatte sich verschoben. Imar war zurückgekehrt, um die Entscheidung herbeizuführen.

„Wo ist er?“

„Wenn ich das wüsste, wäre er längst tot“, knurrte Distis.

„Also willst du, dass ich herausfinde, wo er sich befindet?“ Xelahne richtete den Blick auf ihn. Wie lange hatte sie auf eine so spannende Aufgabe warten müssen?

Distis nickte ihr zu.

Ihre Mordlust war längst verflogen. Die Aussicht, Imar aufzuspüren, reizte sie mehr, als jetzt ihr gegenüber umzubringen. Dies könnte sie später erledigen, doch jetzt galt es, ein Pakt mit ihrem Bruder zu schmieden, um Imar zu finden und zu töten.

„Warum glaubst du, sollte ich dir helfen?“

„Du willst wie ich seinen Tod. Wenn du mir hilfst, wirst du meine rechte Hand sein.“

Xelahne entwich ein lautes Zischen. Die Arroganz ihres Bruders brachte sie ein weiteres Mal aus der Fassung. Wie konnte er sich für etwas Besseres als sie halten? Sollte sie diesem Träumer nicht doch ein Ende setzen? Wofür würde sie seine Hilfe brauchen? Es wurde Zeit, ein wenig Spaß zu haben.

„Pass auf was du sagst. Ich werde nicht unter deinem Befehl stehen. Du bist nicht wie Vater, aber du verhältst dich so.“

Die Worte brachten die gewünschte Wirkung. Wütend funkelten die Augen von Distis in ihre Richtung, wütend reckte er sein Schwert in die Höhe. Erneut tanzten Schatten, Formen und Wörter über seine Waffe. Sein Brustkorb hob und senkte sich schneller als zuvor.

Endlich konnte sie ihm die Kränkungen, die sie erfahren hatte, heimzahlen. Xelahne entschied, in der Wunde zu bohren, die sie geschaffen hatte.

„Vater wäre nie auf die Hilfe von jemand anderen angewiesen gewesen. Aber du schaffst es noch nicht einmal, eine einzelne Person zu finden?“

Schleppend schlängelte sie sich durch den Raum, um ihren Körper durch die Bewegung warmzuhalten. Dabei fixierte sie ihren Konkurrenten ohne Unterbrechung.

„Was für Hilfe wolltest du von Azrou oder von Calaera erbetteln? Du glaubst, du wärst wie Nalar, aber in Wahrheit bist du nur der Gott eines erbärmlichen Volkes. Du besitzt nicht einmal genug Autorität, um dafür zu sorgen, dass all deine Brüder und Schwestern zu dir kommen.“

Dann setzte sie zu ihrem Schluss an, bei dem sie sicher war, dass er vor Wut kochen würde: „In Arroganz und Überheblichkeit bist du besser als Nalar, aber in jedem anderen Bereich kommst du nie an Vater heran.“

Plötzlich spürte Xelahne einen Luftzug, einen Augenblick später den Hauch eines warmen Atems. Als nächstes vernahm sie leise, aber deutlich seine Stimme direkt an ihrem Ohr: „Wenn einer von uns überheblich und arrogant ist, dann bin das nicht ich, sondern du. Ich könnte dich jederzeit töten.“

Distis machte einen Schritt von ihr weg. Keiner der beiden hatte in diesem Moment dem anderen etwas zu sagen.

Der Schreck saß Xelahne in ihren Gliedern. Eben war sie von Distis überrumpelt worden. Innerhalb eines Wimpernschlages hatte er die Distanz zwischen ihnen überbrückt. Sie war sich sicher, dass er nicht weniger lange dafür brauchen würde, seinen Einhänder in ihren Körper zu rammen. Trotz der Kälte in dem Raum bemerkte die Schlange die neue Energie, die sich ausgebreitet hatte. Zu dem anfänglichen Übermut des Mannes hatte sich eine gefährliche Ruhe dazugesellt.

„Sag mir, ob du bereit bist, für mich zu arbeiten oder nicht. Azrou und Calaera werden dafür bezahlen, dass sie nicht erschienen sind, aber du hast noch eine Chance, heil davon zu kommen.“

Waren sie nicht immer Feinde gewesen? Seit sie sich erinnern konnte, standen die Geschwister in Konkurrenz zueinander. Als ihr Vater gestorben war, versuchten sie, ihre Konflikte beizulegen und den Krieg zu gewinnen. Aber sie mussten feststellen, dass der Hass auf den anderen größer war, als der Wunsch, den Krieg zu gewinnen. Folglich suchte sich jeder einen eigenen Ort und wurde fortan von den anderen in Ruhe gelassen.

Der Raum wurde kälter und kälter.

In Xelahne wurde der Wunsch größer, in ihre warme Wüste zurückzukehren. Sie fühlte eine unendliche Müdigkeit, da ihr die Temperatur mehr zu schaffen machte, als sie vermutet hatte.

„Lass mir Zeit zum Überlegen. Besuch mich in zehn Tagen in der Wüste. Dort werde ich dir meine Antwort verkünden.“

Distis schüttelte den Kopf.

„Du kannst mich nicht überlisten, vergiss das nicht. Ich will heute eine Antwort.“

Bedrohlich schimmerte das Schwert zu Xelahne herüber. Diese versuchte, den Saal nach weiteren Gegnern abzusuchen, ohne dass ihr Bruder dies bemerkte.

Ihre äußerliche Fassade verriet nichts, aber in ihrem Inneren überschlugen sich die Gedanken. Wann hatte er all das gelernt? Früher hatte sie ihn getäuscht. Damals war sie eine Meisterin der List und Verführung gewesen. Keiner hatte ihr das Wasser reichen können, aber heute wurde sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Xelahne kämpfte die Müdigkeit nieder, die sie zu überwältigen drohte. Lange konnte sie hier nicht mehr verweilen, denn sie kühlte viel zu schnell aus, doch noch war es nicht so weit. Ihr Konkurrent hatte sie in eine Falle gelockt, aber sie könnte seine Überheblichkeit ausnutzen, um ihn wiederum in eine Falle tappen zu lassen.

„Du kannst mich zu keiner Antwort zwingen. Öffne die Tür.“

Distis zog seine rechte Augenbraue ein Stück weit hoch. Sein bislang neutrales, teilnahmsloses Gesicht regte sich. Sie wunderte sich, dass er ihr erlaubte, in sein wahres Seelenleben zu blicken, denn dies tat er nur, wenn er sich sicher wähnte. Ihm war anzusehen, dass er sich über ihre Hilflosigkeit freute.

„Ist das deine Antwort? Willst du mir damit ‚Nein‘ sagen?“  

Das Gespräch fühlte sich für Xelahne an wie ein sumpfiger Boden, auf dem sie sich bewegen musste. Jeden Moment war es möglich, eine falsche Bewegung zu machen, was einen Todeskampf zur Folge hätte.

Nicht darauf achtend, was Distis tat, kehrte sie ihm den Rücken zu, um sich auf den Ausgang zuzubewegen.  

Bei der Tür angekommen, überlegte sie, wie sie sie öffnen könnte, als Distis plötzlich vor ihr stand. Die Klinge hatte er gefährlich nahe an ihrem Hals positioniert.

„Was tust du, Geschwisterherz? Willst du mit deiner Schwester kämpfen oder warum zeigt die Spitze deines Schwertes auf meinen Hals“, reagierte Xelahne blitzschnell. Trotz der Anstrengung und ihrer Angst verstand sie es, ihre Emotionen nicht zu zeigen. Diese Fähigkeit bewahrte sie allerdings nicht vor dem Adrenalin, dass nun jede Faser von ihr durchflutete. Distis Aktion war so unerwartet gekommen, dass ihr Körper erst jetzt in den Überlebensmodus schaltete. Ihre Müdigkeit verflog.

„Warst du es nicht, die noch vor wenigen Minuten dir in unzähligen Variationen überlegt hast, wie du mich in das Nichts beförderst?“, konterte er ihre Frage.

Zischend brachte Xelahne ein wenig Raum zwischen sich und die Schwertspitze. Ihrem mächtigen Körper befahl sie, sich unauffällig auf den Weg zu Distis zu machen. Wenn er in ihren Fängen war, würde er so viel zappeln können, wie er wollte, sie würde ihn nicht mehr loslassen.

An der schmalsten Stelle war ihr Körper so breit wie die Klinge von Distis lang. Aufgrund der Länge ihres Körpers könnte sie den Mann zwei Dutzend Mal verschlingen und es wäre noch genug Platz für andere Opfer vorhanden. Die beiden hatten ungleiche Stärken. In einem Kampf würde derjenige gewinnen, der seine Vorteile besser für sich nutzen würde.

„Ich weiß nicht, wovon du redest. Zwar war ich wütend, aber ich habe nie einen Gedanken daran verschwendet, dich zu töten.“

„In zwei Dingen warst du immer gut, Xelahne: Lügen und Betrügen sind dein Spezialgebiet, doch mich täuscht du nicht.“

Das Ende ihres Körpers war fast bei Distis angekommen.

„Schau dich um.“

Seine linke Hand vollführte einen Halbkreis im Saal als wäre Xelahne ein Besucher, dem etwas Prachtvolles präsentiert wird.

„Es ist viel zu kalt für dich. Und du bist wie eine Maus in die Falle getappt. Du bist mir hilflos ausgeliefert, musst auf meine Gnade hoffen. Du hattest die Wahl an meiner Seite zu kämpfen.“

Für einen kurzen Moment ließ er die Worte auf sie einwirken.

„Leider musste ich einsehen, dass dein Stolz größer ist als alles andere. Wir hätten alles erreicht, aber du wolltest es nicht.“

„Seit wann glaubst du an Gnade? Ich dachte, dass du nur den Wunsch nach Leid und Zerstörung in dir hast“, sagte Xelahne.

Das Ende ihres Schlangenkörpers lag neben Distis und wartete auf weitere Befehle. Bedächtig fing sie an, sich um sein Oberhaupt zu schlängeln. War er in der Falle, würde sie ihn zu Brei verarbeiten. Bei diesem Gedanken frohlockte Xelahne, aber sie ermahnte sich, Ruhe zu bewahren, da ein toter Distis momentan noch weiter entfernt war, als ihre warme Wüste.

Distis zeigte mit seiner freien Hand auf die Truhe.

„Ich zeige dir den Fund des Jahrhunderts und das Einzige, was du tust, ist, es mir damit zu danken, dass du gleich wieder nach Hause kriechen willst?“

In seinem Gesicht sah sie Enttäuschung, jedoch kannte sie ihn gut genug, um zu wissen, dass er es nicht ernst meinte.

„Glaubst du wirklich, dass ich auf deine Hilfe angewiesen bin? Glaubst du wirklich, ich müsste um deine Unterstützung betteln?!“

Wut schwang in seiner Stimme mit. Mittlerweile hatte sie ihren Widersacher erreicht, sodass ein Befehl an ihren Muskel reichen würde, um Distis ins Niemandsland zu schicken. Die Schlange erlaubte sich, den bevorstehenden Sieg auszukosten. Alle Strapazen der Reise, die Arroganz ihres Gegners und ihre kurze Hilflosigkeit konnten ihre Vorfreude auf das Spektakel nicht trüben, dass sie gleich erwartete. Trotz der Kälte fühlte sie sich in diesem Moment lebendig wie nie.

„Du weißt nicht, wie mächtig ich geworden bin. Auf der ganzen Welt habe ich Augen und Ohren, die für mich spionieren. Deine Hilfe wäre gut zu gebrauchen gewesen, aber ich kann auch ohne dich zurechtkommen.“

Xelahne ließ ihn weiterreden.  

„Du hättest mein treuester Untertan sein können, aber stattdessen hast du dich zu meinem Feind gemacht. Dieser Fehler wird dich teuer zu stehen kommen.“

Es war an der Zeit, ihn zu töten.

„Du bist schlau. Die Wahl des Raumes war gut durchdacht. Allerdings ist es die Überheblichkeit, die dir im Weg steht. Es ist der Moment gekommen, auf Nimmer-Wiedersehen zu sagen“ riss sie das Wort an sich.

Einen winzigen Augenblick wartete sie auf eine Reaktion ihres Bruders, die anders ausfiel, als erwartet. Statt Verwunderung und Furcht las sie Spott und Belustigung in seinem Blick. Aber bevor sie darüber nachdenken konnte, spannten sich ihre Muskeln bis zum Anschlag an, um ihren Gegner zu erwürgen. Blitzschnell schloss sich ihr Körper um ihren Feind.

Aber anstelle seines Leibes erwartete sie nur Luft und so rasselte ihr Körper ins Nichts und schlug anschließend auf dem Boden auf. Ihr entfuhr ein Schmerzensschrei. Hektisch schaute Xelahne auf die Stelle, wo vorher ihr gegenüber gestanden hatte. Schließlich entdeckte sie ihn, neben der Truhe. Lässig stand er da. Seine Augen funkelten. Über sein Schwert liefen unzählige kleine Schatten.

Angst kroch Xelahnes Hals hinauf, setzte sich zu einem dicken Kloß in ihrem Hals fest, versetzte sie in eine Starre. Das Spiel, was hier gespielt wurde, kannte sie, denn sie hatte es ihr ganzes Leben gespielt. Es hieß Schlange und Maus. Nur eines war anders als sonst: Sie war die Maus und ihr Bruder die Schlange und da sie das Spiel so gut kannte, wusste sie, dass Schlangen ihre Opfer nie überleben ließen. Die Resignation hatte vollends von ihr Besitz ergriffen.

Plötzlich stand er vor ihr. Die Spitze seiner Waffe kitzelte auf ihrem Hals. Aus den Augenwinkeln konnte sie die in roten Buchstaben geschriebene Schrift auf dem Einhänder lesen: Mortificatio.

Durch die Gefahr des Todes wurde ihr Überlebenswille wiedergeboren. Eine Stimme in ihrem Inneren schrie ihr zu, dass sie Leben musste und ihr Körper schien darauf zu antworten, da er sich instinktiv von der Klinge wegbewegte, allerdings ohne Erfolg, da diese ihr unerbittlich folgte. Ihre Ohren dröhnten und ihre Nase roch den Hass und die Wut ihres Gegenübers. All dies hinderte sie nicht daran ihren letzten Trumpf, ihren Einzigen, zu spielen.

„Bruder, bitte. Es war ein Fehler, dich zu verärgern. Du erzähltest von Gnade: Lasse Gnade walten, verschone mein Leben“, flehte Xelahne. Dabei musste sie aufpassen, nicht zu laut zu sprechen, da sie sich sonst ihren Kehlkopf aufschlitzen würde.

In den Augen ihres einstigen Verbündeten sah sie Bedauern und Zorn.

„Es ist zu spät. Du hattest deine Wahl und hast dich entschieden. Ich werde dich beim Wort nehmen und auf Nimmer-Wiedersehen sagen.“

Seine Oberarmmuskeln spannten sich an.  Distis ließ die Spitze des Schwertes in ihren Kehlkopf gleiten. Das kalte Metall schnitt durch ihr Gewebe hindurch als wäre dort nur Luft. Als das Schwert fast vollständig in ihr steckte, zog er es wieder heraus.

Xelahnes Körper zuckte. Distis ging einen Schritt zurück. Er beobachtete, wie das Blut aus ihrem Kehlkopf tropfte.

Schmerz war das Einzige, was sie in diesem Moment wahrnahm. Die Welt vor ihren Augen verschwamm, sodass sie die Augen schloss. Eine bekannte Stimme in ihrem Kopf schrie ihr zu, dass sie leben sollte, wurde aber überwältigt von ihrem Leid, dass keinen anderen Gedanken zuließ.

„…nicht sofort…langsam…sterben.“

Trotz der Schmerzen konnte Xelahne Wortfetzen ihres Peinigers hören. Nie in ihrem Leben hatte sie vergleichbare Quallen erlitten. Die Kälte, die sie vorher gespürt hatte, war verschwunden. Stattdessen spürte sie die Wunde am Hals, wo das Blut ihren Körper verließ und sich im Saal ausbreitete.

 

Jegliches Gefühl von Zeit war ihr verloren gegangen. Immerhin hatte sie es geschafft, gegen die ausbreitende Dunkelheit in ihrem Geist zu anzukämpfen. Mit der Dauer waren die Schmerzen weniger geworden. Dennoch machte sich die Schlange keine Hoffnungen mehr, diesen Ort lebend zu verlassen. Sie musste viel Blut verloren haben und außerdem würde er sie niemals am Leben lassen.

„Nalar…zurückkehren…vollenden…was angefangen wurde.“

Die Stimme zerrte sie aus ihren Gedanken in die Realität. War ihr Vater zurückgekehrt?

„Imar…sterben…Prophezeiung erfüllen…Spiel beenden.“

Welches Spiel? Einen kurzen Augenblick vergaß sie den Schmerz, dann erinnerte sie sich. Imar war zurückgekehrt. Die Blätter waren Beweis genug. Ich werde ihn töten…

Eine Welle des Schmerzes schwappte durch ihren Körper hindurch, verließ sie an der Wunde beim Hals und klaute Xelahne Blut. Blut, was sie am Leben hielt. Die Schlange merkte nicht mal mehr, wie sie zunehmend schwächer wurde. Sie war in ihre Gedankenwelt geflohen, um sich dort vorzustellen, wie sie Imar zermalmen würde.  

„Kinder…Hunger…werden essen.“

Wer hat Hunger und will essen?

 

Sie war sich nicht sicher, wie lange sie auf dem Boden gelegen hatte. Schon einige Zeit hatte Distis nichts mehr von sich gegeben. Sie versuchte, seinen Namen zu sagen, aber sie war nicht in der Lage, zu reden.

Die Kraft wich zunehmend von ihr.

Wäre Vater stolz auf sie gewesen?

Schließlich umgab sie Dunkelheit.

 

 

Leseprobe

Im Folgenden könnt ihr den Prolog des ersten Buches lesen. Wenn ihr den Prolog im Buchformat (A5) lesen wollt, ladet die PDF- Datei herunter. 

Ich möchte darauf hinweisen, dass sich mein Schreibstil bis zur Veröffentlichung des Buches deutlich verändern wird.

Ihr könnt mir helfen, besser zu werden, wenn ihr mir ein Feedback schickt, wie der Prolog euch gefallen hat. Ich habe als PDF-Datei einen Feedbackbogen erstellt, bei dem ihr euch bei der Kritik orientieren könnt.

Viel Spaß beim Lesen.

Prolog:

 

Feedbackgogen