Tagebuch

Hier gibt es immer wieder  Tagebucheinträge. In diesen erzähle ich alles rund um das Schreiben an diesem Buch.

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Der Investmentbanker


„Du spinnst ja wohl!“

„Ich habe dir nichts getan.“

„Wer hat denn gerade auf meinen Hintern gestarrt?“

Schuldbewusst senkte Paul seinen Blick. Verona konnte er nichts vorspielen. Es war, als hätte sie überall Augen.

„Ich drehe mich jetzt wieder um und wenn du es noch einmal wagst, werde ich dir zeigen, warum meine früheren Liebhaber lieber mit einem Gorilla schlafen würden, als mit mir.“

Paul wollte es nicht verstehen, denn die Verlockung war zu schön. Sie stand vor ihm, fünf Meter entfernt, hatte nichts mehr an, als ihre Unterwäsche und roch nach Lavendel.



In dieser Woche habe ich mich mit dem Entwerfen spannender Charaktere sowie dem Schreiben interessanter Szenen beschäftigt. Viele Texte habe ich geschrieben, in denen ich immer versucht habe, einen spannenden Konflikt einzubauen. Dieser Text hier ist ein Beispiel meiner Schreibarbeit, die immer als Intention hat, dass der Text nicht mehr aus der Hand gelegt wird.

In diesem Tagebucheintrag werde ich eine Szene zeigen, welcher ich in der vergangenen Woche geschrieben haben. Den Anfang habt ihr schon mitbekommen und der Rest der Szene folgt auf diese Worte.

Viel Spaß beim Lesen.


Warum konnte ich mich nicht beherrschen, einfach mein Eis aufessen?

Er dachte an den Tag zurück, an dem er Verona an der Eisdiele kennengelernt hatte. Eigentlich wollte er nur mit seinen Jungs ein Eis holen gehen, aber eine junge Frau, vollbusig und mit betont enger Kleidung, hatte seine Pläne geändert. Schon damals waren ihm ihre tigerhaften, gierigen Augen aufgefallen, hatten ihn gefangen, ohne dass er es bemerkt hatte. Und jetzt war er hier, wollte sein Glück zu sich holen, es küssen oder mehr, aber es ging nicht, denn Tiger lassen nicht mit sich spielen. Sie spielen mit dir.

„Ok, ok, ich habe verstanden.“ Paul wagte nicht, aufzuschauen. Zumindest vorerst.

„Du schaust mich nicht an, erst wenn ich es sage.“

Der junge Investmentbanker, frisch verheiratet, hörte, wie sich Verona entfernte.

„Wo willst du hin“, rief er ihr nach.

Die Schritte halten an den Wänden nach, dann verstummten sie. Der Herzschlag von Paul vervielfachte sich und seine Ungeduld wuchs.

Wo bei all den schönen Frauen auf der Erde will sie hin?

Diese Frau ängstigte ihn, war sie doch ganz anders als die anderen, die er kannte.

Verona ist dir ebenbürtig, nein, sie ist stärker als du, flüsterte eine Stimme in seinem Kopf.

Schämst du dich nicht, Kira zu verraten. Glaubst du wirklich, sie wüsste nichts davon?

Die Stimmen waren die Stimmen seiner vergangenen Frauen: Melissa, Johanna und die vielen anderen, mit denen er geschlafen hatte.

„Arrghhh, keiner kann mich aufhalten, ihr seid nur Schlampen, die sich glücklich schätzen können, mit mir geschlafen zu haben.“

Jetzt fühlte er sich besser, denn er war der Löwe, er wollte der König sein. Auch Verona würde dies über kurz oder lang lernen. Sein einziges Problem bestand darin, dass er sich von ihr hatte festbinden lassen mithilfe von Handschellen und so war er an das Bett gebunden, musste sich seine Freiheit erkämpfen.

Paul hörte Schritte. Noch wollte er ihr Spiel mitspielen, noch würde sie bekommen, was sie wollte. Die Schritte näherten sich dem Bett und Pauls Muskeln spannten sich an, ohne dass er etwas dagegen tun konnte.

Verdammt.

Als Erstes nahm er den Geruch von Lavendel war, dann blieb sie vor ihm stehen.

War sie nackt?

Sein eben gefasster Entschluss, schlich davon, floh vor der Dominanz dieser Frau.

„Wie ich sehe, warst du brav“, säuselte sie ihm ins Ohr.

Am liebsten, hätte er sie berührt, angefasst, geküsst, aber nichts von alledem ging, denn er war festgebunden an dieses Bett, festgebunden an den Willen dieser Frau.

„Natürlich.“

Ihre Hand glitt von seinem Ohr herunter, immer weiter, bis sie irgendwann ihr Ziel erreicht hatte.

„Gefällt dir das?“

Oh ja, und wie er es mochte, aber ihre Frage erinnerte ihn wieder an seinen Entschluss, den er eben gefasst hatte. Zwar wollte er, dass es nie aufhörte, andererseits verletzte es sein Ego, Verona ausgeliefert zu sein.

„Bitte befrei mich von diesen Fesseln. Ich habe genug“

Hatte ich wirklich genug?

Verona kicherte. Das Kichern wurde zu einem Lachen. Einem Lachen, das Paul alles andere als gefiel.

„Wir fangen doch gerade erst an, Süßer.“ Das letzte Wort betonte Verona, Spott und Spaß lagen dich beieinander.

Paul wollte aufgeben und es über sich ergehen lassen, schließlich genoss er ihre Berührungen trotz seiner Unterwürfigkeit, aber er hörte weitere Schritte.

Die beiden befanden sich in einer verlassenen Lagerhalle, abseits der Stadt. Er war auf die Einladung von Verona hierhergekommen, sie hatten sich neben dem Tor zur Eingangshalle getroffen und sie waren zusammen eingebrochen. Einzig ein Bett stand in der Lagerhalle, so groß, dass Paul bestimmt seine Liebhaber der letzten drei Monate darin unterbringen könnte. Verona hatte Paul erklärt, dass sie hier schon öfter gewesen war. Lange Zeit hatten sie sich unterhalten, zusammen gelacht, aber dann hatte er sie nach ihrer Arbeit gefragt. Nach dieser Frage hatte sie sich auf ihn gestürzt- liebevoll- und nach zwanzig Minuten, die dem Investmentbanker viel zu kurz vorgekommen waren, hatte er sich in der Lage befunden, in der er nun steckte.

Wieder hörte er Schritte, die näherkamen. Zu dem Gefühl der Aufregung mischte sie Angst. Angst vor der Person, welche ihnen entgegenkam, denn wer kam nachts in eine verlassene Lagerhalle. Bilder von Serienmördern und Schießereien fuhren durch seinen Geist, er konnte nichts dagegen tun.

„Verona, wer ist das“, flüsterte Paul. Er konnte von seiner Position nicht erkennen, wer sich auf die beiden zubewegte. Außerdem war es viel zu dunkel.

Seine Instinkte übernahmen die Kontrolle über seinen Körper, pumpten Adrenalin in jede Faser seines Körpers. Er spürte die Kraft in seinen Armen, wollte sich von seinen Fesseln losreißen, aber sie waren zu fest.

Seine Verführerin schien von alledem wenig beeindruckt. Sie streichelte weiterhin seinen Bauch und schaute Paul mit ihrem „Du gehörst mir“-Blick in die Augen. Dieser konnte ihre Berührungen nicht mehr genießen, wollte weg von diesem Ort, weg von Verona.

Warum hat sie keine Angst? Diese Hexe.

Er wollte von ihr wegrücken, aber es ging nicht. Aus der Dunkelheit bildeten sich die Konturen eines Menschen, eines Frauenkörpers…

Kira!

Trotz der Dunkelheit konnte Paul die Wut in ihrem Gesicht sehen. In ihren Augen lag Enttäuschung, die sich Paul nicht erklären konnte.

Was um alles in der Welt ging hier vor sich?

Er schluckte einmal, dann noch einmal. Verona hatte sich in die Dunkelheit zurückgezogen, sodass er mit Kira allein war. Kira wirkte wie eine Katze, der man beim Streicheln zu nahe gekommen war: Sie könnte jeden Moment anfangen zu kratzen und zu beißen.

„Kira, was machst du denn hier?“

Er schaute ihr in die Augen, sie glotzte zurück, mit einer Stärke, die er noch nie in ihren Augen gesehen hatte.

Paul hörte weiter Schritte.

Was ging hier vor sich? Wo blieb Verona?

Langsam machte ihm Kira Angst, denn sie antwortete ihm nicht und starrte ihn weiterhin mit der gleichen Bosheit in den Augen an. Normalerweise war er der Löwe, aber die Fesseln verhinderten, dass er sich als solcher verhalten konnte.

„Kira, bitte öffne meine Handschellen.“

Seine Freundin schüttelte den Kopf. Die Schritte kamen immer näher. Dann konnte er sie sehen, einer nach der anderen tauchte aus der Dunkelheit auf, stellte sich neben Kira, mit der gleichen Wut, mit der gleichen Entschlossenheit. Melissa, Johanna, alle standen sie da, starrten auf ihn herab.

Paul robbte zurück, an die Bettkante, versuchte Abstand zwischen sich und diese Kampfkatzen zu bringen, die heute Abend gemeinsam jagten. Sein Herzschlag war ein einziges Trommelgewitter und die Gedanken in seinem Kopf kämpften gegeneinander um die Vorherrschaft, schoben sich zur Seite, schrieben wild durch die Gegend.

„Was macht ihr hier“, stammelte Paul.

Er bekam eine Antwort, aber nicht die, welche er hören wollte: Verona stellte sich neben ihn und bot ihm die Hand an, als wenn sie sich guten Tag sagen würden, aber er konnte ihre nicht schütteln, denn er war angekettet. Dann fing sie an zu reden: „Gestatten: Agentin 137. Du fragtest mich, wo ich arbeite. Ich kann es dir sagen: Bei der OGSAF, der Organisation gegen strukturelle Ausbeutung von Frauen. Wir sind die Avantgarde aller Frauen und schaffen dort für Gerechtigkeit, wo der Staat versagt.“

Sie zeigte auf die Frauen hinter ihr.

„Ihr Strafenkatalog ist ganz schön lang, sie haben ihr Leben auf Kosten von anderen geführt, haben sie alle belogen und anschließend alleine gelassen.“

Verona rückte mit ihrem Mund nah an seinen heran, so nah, dass er es in einem anderen Kontext genossen hätte.

„Dank Kira, ihrer tapferen Freundin, können wir dem nun ein Ende setzen. Sie werden ihre Strafe bekommen, ob sie wollen oder nicht.“

Am Ende ihrer Worte angekommen, wich sie vor ihm zurück, als wäre er eine Krankheit, die beider kleinsten Berührung ansteckend wäre. Danach setzte sie ihren Körper gekonnt in Szene, Paul konnte einen weiteren Blick auf ihren Hintern, fangen und lies ihn mit den anderen Frauen allein.

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Spiel zwischen Licht und Dunkelheit

Die Bücherreihe "Spiel zwischen Licht und Dunkelheit" ist ein gemeinnütziges Projekt.

Voraussichtlich 2021 wird Band 1 veröffentlicht.

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