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Die Geschichte von Even den Lustigen- Teil 2



Heute könnt ihr den zweiten Teil der Kurzgeschichte von Even dem Lustigen lesen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen :)

Für alle, die noch nicht Teil 1 gelesen haben. Hier ist der Link.



Teil 2


Even (nun aus der Sicht von Even)


Für den Fremden waren die meisten Männer nichts weiter als aufgeschreckte Hunde, die auseinanderstoben, sobald er einen Schritt in ihre Richtung machte. Nur wenige stellten sich ihm in den Weg. Diejenigen, die hierfür den Mut aufbrachten, handelten sich entweder einen Kinnhaken ein oder wurden mit einem Tritt in ihren Allerwertesten bestraft. Dies führte dazu, dass sie umkippten und im besten Fall bewusstlos liegenblieben oder aber sich ihr wohlverdientes Bier aus dem Leib kotzten. Welche Verschwendung dieses einzigartigen Gemisches!

Robert, einem Riesen von Mann, traf es besonders schlimm: Nachdem er mit einem lauten „Komm doch her, ich kastriere dir deine Eier“, den Fremden angeschrien hatte, war dieser auf Robert zugegangen und hatte ihn mit einem Schlag etwas unterhalb des Bauches ruhiggestellt. Ich bezweifelte, dass Robert jemals wieder Kinder kriegen könnte.

Ich wurde wütend. Was um alles in der Welt erlaubte sich dieser Fremde! Allerdings zügelte ich mich, denn ich wusste, wie ein Kampf aussehen würde. Noch bevor ich meinen ganzen Namen hätte aussprechen können, hätte er mich zu Boden geschickt.

Schon den ganzen Abend hatte es in dem Lokal nach Verbrechen gerochen. Niemals kamen Menschen hierher, die nichts tranken. Alle waren sie aus auf meine Geschichten, Späße sowie Tricks, die sie sich unter der Einfuhr des wunderbarsten Gebräus auf der ganzen Welt anhörten und anschauten. Doch heute waren zwei Kinder- ich schätzte sie auf 15- erschienen, ein Junge, unter dessen Nase sich ein zarter Flaum ausbreitete, sowie ein Mädchen, welches ihre Langweile und Abneigung gegen das Spektakel offen zur Schau gestellt hatte. Beide hatten nichts getrunken, sondern bloß gewartet und mir zugehört. Der Eine mit Begeisterung, die Andere mit grimmig zusammengepressten Lippen.

Waren sie für dieses Desaster verantwortlich?

Ich wich Fritz aus, meinem treusten Zuhörer, der durch einen auf dem Boden liegenden Krug ausgerutscht war.

„Hoch mit dir, du alter Esel“, half ich ihm beim Aufstehen.

„Was geht hier vor sich“, fragte mich Fritz, während er sich seinen Rücken rieb, das Gesicht schmerzhaft verzogen.

„Ich habe mir gedacht, ihr wolltet Dunkelgesicht kennenlernen und deshalb habe ich mich kurzerhand entschlossen, ihn einzuladen. Leider scheint er etwas gegen Partys zu haben, die ohne ihn anfangen, weshalb er jetzt seinen Ärger kundtut…“

Ich zuckte mit den Achseln, so wie ich es immer tat, wenn ich eine Geschichte zu meinem besten gab. Sogar ein freches Lächeln umspielte meine Lippen, doch mein Freund kannte mich zu gut, als dass ich ihn mit meinen Sprüchen täuschen könnte.

„Hör auf mit deinen Späßen. Der sieht aus, als würde er uns zu Kleinholz hacken, nachdem er uns nacheinander so lange gewürgt hat, bis wir keinen Tropfen Alkohol mehr in unserem Körper haben.“.

Fritz Augen schimmerten vor Angst.

Er hatte Recht, wir waren eindeutig in einer misslichen Lage, ein Blick auf den Fremden bestätigte dies. Ohne innezuhalten schlug er sich einen Weg in gerader Linie frei, direkt auf mich zu. Ganze sieben Schritt inklusive mehrerer betrunkener Männer, welche auf dem Boden lagen sowie ein umgeworfener Tisch, trennten uns.

Wir mussten hier raus, soviel stand fest. Mein Herzschlag beschleunigte, beflügelte, befreite mich von der lähmenden Angst. Der Cocktail aus Alkohol, Adrenalin und aufgestauter Wut erreichte jede Zelle in mir. Ich war bereit. Sollte dieser jämmerliche Eindringling das bekommen, was er wollte? Nein, ich würde ihm kein so leichtes Spiel machen.

Mit den Augen durchforstete ich mein Terrain auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit. Der Eingang kam nicht in Frage, denn aus dieser Richtung kam mein selbsternannter Freund Dunkelklinge, mit dem ich momentan kein Bier trinken wollte. Die Option Fenster schloss ich für mich aus, weil ich mich nicht beim Wirt dafür rechtfertigen wollte, Teile seines Hauses beschädigt zu haben. Folglich blieb der Hinterausgang. Perfekt für einen stillen Abgang. Wenige wussten von diesem und dazu kam, dass ich so den Abstand zwischen mir und Dunkelklinge vergrößern konnte.

„Los, zum Hinterausgang.“

„Was für ein Hinterausgang“, schrie mir Fritz entgegen, wie ein Kind, dass zum ersten Mal eine Geschichte über Elfen zu hören bekommt.

„Keine Zeit für Erklärungen, komm!“

Dunkelklinge war fast in Reichweite, mich zu packen. Er war nicht zu stoppen von den Hindernissen auf dem Boden, weshalb ich meinen Worten Taten folgen ließ. So schnell ich konnte rannte ich zur Theke, die ich mit einem Sprung überwand, woraufhin sich mein Bauch mit einem Grummeln beschwerte.

Normalerweise ließ ich immer zwei, drei Bier mitgehen, doch angesichts der Gefahr musste ich mich heute mit einem begnügen, dass ich mit meiner linken Hand vom Tresen fischte. Hinter mir hörte ich Schritte, wobei ich mich nicht umdrehte, sondern nur still hoffte, es wären Fritz seine.

In der Küche angekommen, hatten wir die Hälfte des Weges geschafft. Glücklicherweise stand die Tür bereits offen, wahrscheinlich war nicht nur ich auf die Idee des Hinterausgangs gekommen. Fritz schnaufte wie ein Wildschwein und rannte hinter mir her, dem Ausgang entgegen.

In meiner Brust löste sich ein Knoten und der Cocktail aus Alkohol, Adrenalin und Wut wurde ergänzt durch die Süße der Freiheit. aber plötzlich fiel hinter mir etwas zu Boden.

Ich erstarrte, wagte nicht, mich umzudrehen.

„Fritz?“

„Beweg dich nicht und dir und deinem Freund wird nichts passieren. Du bist ganz schön beweglich, für so einen Schwabbelbauch, den du mit dir trägst. Mein Auftraggeber meinte, ich würde meinen Spaß haben und den habe ich gehabt. Aber nun genug der Worte. Dreh dich langsam um, lass dein Bier fallen und komm zu mir“, sagte eine von der Zeit mitgenommene Stimme.

Dunkelklinge.


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Spiel zwischen Licht und Dunkelheit

Die Bücherreihe "Spiel zwischen Licht und Dunkelheit" ist ein gemeinnütziges Projekt.

Voraussichtlich 2021 wird Band 1 veröffentlicht.

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